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INSOLA - Integrierte Sozialraumbildung und nachhaltige Sozialraumentwicklung in der Lausitz

Nachfolgend stellen wir als Skizze ein sozialwissenschaftliches Studienprotokoll zu einer transdisziplinären partizipativen Forschung im Feld für ein »gutes Leben« durch nachhaltige und effektive Sozialraumentwicklung in der Region vor.

Das Projekt

Das Projekt INSOLA soll eine komplexe Sozialraumanalyse als Grundlage einer permanenten lernenden Fortschreibung der Sozialraumentwicklungsanalyse leisten, die wiederum als Basis für langfristige Veränderungen in der Region als Sozialraumentwicklungsarbeit dient. Durch die systematische Erfassung und Analyse sozialer Bedarfe in Bereichen wie Alter im Generationsgefüge, Medizin, Pflege, Behinderung, Wohnen, Mobilität sowie Engagement und Demokratie schafft das Projekt eine fundierte Wissensgrundlage, auf die die zukünftigen Entwicklungen aufbauen können. Diese Grundlage der analytischen Sozialraumentwicklungsarbeit ist in diesem Sinne entscheidend für die gezielte Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur, für den Aufbau und für die Pflege nachhaltiger Netzwerke und für die Stärkung der regionalen Resilienz in der Bewältigung der Strukturprobleme der Region. Das Projekt INSOLA soll helfen, soziale Innovationen nicht isoliert, sondern in einem relationalen Gefüge des Sozialraums als Netzwerkstruktur zur Wirkung kommen zu lassen.

Ein zentraler Beitrag zum Strukturwandel besteht darin, Synergien zwischen den AkteurInnen durch die Arbeit an der Vernetzung des Sozialraums vor Ort zu schaffen. Gleichzeitig werden die lokalen AkteurInnen befähigt, in einem sich stetig wandelnden Sozialraum selbst tragfähige Lösungen zu entwickeln, anzupassen und weiterzugeben, sodass die Sozialraumbildung nicht als einmaliger Prozess, sondern als dynamischer, gemeinschaftlich gestalteter Wandel der nachhaltigen und effektiven Entwicklung fortbesteht.

Dergestalt soll mit der Idee einer auf die soziale Infrastruktur bezogenen bürgerschaftlichen Dachstruktur genossenschaftsartiger Form eine nachhaltige Ideen-zentrierte, die Interessen der AkteurInnen kooperativ integrierende Organisationsstruktur entwickelt werden, die über das Projekt hinaus Bestand hat und langfristig zur Stabilisierung und Weiterentwicklung der sozialen Infrastruktur in der Lausitz (mit Fokus auf den Landkreis Görlitz) beiträgt.

Der Ertrag des INSOLA-Projekts ergibt sich aus dem gesamten Design des Projekts. Denn es handelt sich um eine durch partizipative Sozialforschung fundierte, über die Projektlaufzeit hinweg permanent lernende Sozialraumentwicklungsanalyse und Sozialraumentwicklungsarbeit. Der Bezugsraum ist die Lausitz, mit dem Fokus auf den Kreis Görlitz und seinen funktional verknüpften Umgebungen.

Die effektive und nachhaltige Sozialraumentwicklung ist der Ertrag des sozialinvestiven Projektes, weil in der Konsortialkonstellation des »Soziales Netzwerk Lausitz gGmbH« (SNL) und dem Seminar für Genossenschaftswesen der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität zu Köln im Dialog mit den SozialraumakteurInnen ein kommunikativer Revitalisierungsprozess der sozialen Entwicklungspotenziale zur Steigerung der lokalen und regionalen Resilienz bewirkt werden soll.

Die Resilienz bezieht sich hier auf die Entwicklung von sozialen Ressourcen zur kreativen Bewältigung der individuellen, aber zugleich immer lokal und regional gemeinsamen (solidarischen) Entwicklungsaufgaben, die als Herausforderungen des sozialen Wandels zu gestalten sind.

Thematisch ist der ganze Komplex sozialer Bedarfslagen, bezogen auf Altern im Generationengefüge im Kontext von Wohnumfeld (Nachbarschaft; Quartier) und Mobilität in der Region anvisiert. Damit ordnet sich INSOLA in das Verantwortungsfeld kommunaler Daseinsvorsorge ein.

Sozialraumentwicklung bedeutet hier eine sozialinvestive Förderung (»empowernde« Befähigung = »Capability« = Wechselwirkung zwischen Sozialinvestitionen in Abilities + Sozialinvestitionen in Capacities) der Menschen durch lokale und regionale Vernetzungen, deren Wirkungsnutzen (1) in dem sozialen Zusammenhang (soziale Kohäsion), (2) in der sozialen Integration (soziale Inklusion) und in der sozialen Unterstützung (soziales Coping) besteht. Hinzu kommt (4) die bürgerschaftliche Vitalisierung der lokalen/regionalen Demokratie (der gemeinsamen Selbstverwaltung) der kommunalen Daseinsvorsorge. Kooperative Potenziale entfalten sich hierbei zu Kollaborationen, weil die involvierten AkteurInnen sich in einer systemisch gedachten Art und Weise gemeinsam lernend weiterentwickeln.

Diese Sozialkapital-generierende Netzwerkbildung wird durch die partizipative lernende Sozialraumentwicklungsanalysearbeit eingebettet in den Wachstumsprozess des Vertrauenskapitals, wodurch das subjektive Kohärenzgefühl der Menschen (Sinnhaftigkeit, Verstehbarkeit, Handhabbarkeit des Alltagslebens im Lebenslauf) nachhaltig und effektiv gesteigert wird. Das Kohärenzgefühl ist eine Dimension der subjektiven Seite der lokalen und regionalen Resilienz und steigert das politisch definierte Resonanzgefühl im Weltverhältnis der Menschen in Bezug auf den Wandel der Lebenskontexte im Sinne einer psychodynamisch fassbaren responsiven Phänomenologie. Es geht insgesamt um die Förderung der Daseinsbewältigungskompetenzen (»Alltags-Humankapital« als lebensweltliche Ressource der Daseinsführung).

Eingebaut in das gesamte Design der lernenden partizipativen Sozialraumentwicklung ist auch die Steigerung der digitalen Affinität der Menschen als eine Dimension der allgemeinen Offenheitshaltung und somit als Entwicklungsgrundlage digitaler Kompetenzen mit Blick auf die digitalen Lösungsperspektiven innerhalb der analogen Welt der lebensweltlichen Netzwerke.

Das INSOLA-Projekt soll nach Abschluss der Projektlaufzeit einen zukunftsweisenden Sozialraum hinterlassen, dessen Weiterentwicklung fundiert wird (1) durch die Sozialraumanalysedatenbank, (2) durch ein Erfahrungshandbuch der Sozialraumentwicklungsanalysearbeit, die im Sinne einer Transferarbeit die transregionale Skalierbarkeit zum Ausdruck bringt, durch (3) eine durch die Methodenkompetenzentwicklung bewirkte analytische und strategische Befähigung des »Soziales Netzwerk Lausitz gGmbH« als regionale Agentur der Sozialraumvitalisierung und (4) durch den Versuch, dem Sozialraum ein effektives und nachhaltiges Organisationsdach z. B. durch eine (gemeinnützige) Genossenschaftsform zu geben, wobei andere Rechtsformen durchaus auch funktional äquivalent sein können. Allerdings ist die Idee der auf dem Sozialraum als Infrastrukturbildung sowie deren Weiterentwicklung und deren nachhaltig-effektive Pflege abstellende bürgerschaftliche »Sozialinfrastrukturgenossenschaft« insgesamt bundesweit in einer bedeutungsvollen Dynamik (z. B. im Sinne einer sog. Gesundheitsregion) zu beobachten und ist von besonderer identitätsstiftender Bindungskraft.

INSOLA ist mit der finalen bürgerschaftlichen Infrastrukturgenossenschaftsidee als partizipatives und dialogisches, sozialinvestives Sozialraumprojekt zugleich ein demokratischer Beitrag zur lokalen und regionalen Daseinsvorsorge-Lernen-Entwicklung im intergenerationalen Gefüge. Das Konsortialteam wird im Sozialraum nicht im atmosphärischen Duktus eines edukativen Paternalismus arbeiten, sondern in empathischer Achtsamkeit und dialogisch auf partnerschaftlicher »Augenhöhe«, also die Menschen abholend – systemisch denkend und arbeitend – auf eine Reise der lokalen/regionalen Selbstveränderung (als »Selbsttranszendenz«) mitnehmend. Dabei sind die Werte der AEMR, der UN-Grundrechtskonventionen, der Europäischen Grundrechtecharta (GRC), des GG und der Sozialgesetzbücher etc. maßgeblich, bindend, leitend und orientierend. Gearbeitet wird in der sozialmorphologischen Analyse mit weiterentwickelten Variationen des KDA/DHW-PosIA-Index (ein Index zur Vermessung der Innovativität sozialer Innovation für das gelingende Altern) in Form eines Index sozialer Innovationen in den Generationenbeziehungen sowie eines Demokratiekultur-Index.

Design

Die transdisziplinäre und partizipative Sozialraumanalyse erfolgt in einem komplexen Methoden-Design rekonstruktiver Sozialforschung als Datengenerierung für eine Software-gestützte quantitative und qualitative Netzwerkanalyse. Das geographische Mapping wird dabei auf der Basis von »Sozialporträt«-Bildungen der im Sozialraum der Daseinsvorsorge agierenden Sozialgebilde substanziell die Struktur des relationalen Gefüges abbilden. Die Entwicklung eines »morphologischen Kastens« dient der Typologie-Entwicklung, die auf die Einheit von Strukturmerkmalen und Sinnfunktion abstellt. Dabei wird das ganze trägerpluralistische wirtschafts- und sozialorganisationsrechtliche Spektrum der Sozialgebilde (somit auch verschiedene Formalitäts-/Informalitätsgrade der Gebilde) berücksichtigt.

Angestrebt wird eine sozialmorphologische Soziomatrix des Landkreises. Dabei fließen, aufbauend auf einer Software-gestützten Landschaftskarte (geographische Mapping), eine quantitative und eine qualitative Netzwerkanalyse ein, die beide ontologisch adäquat, d. h. passungsoptimal den Gegenstand einerseits mit dem Erkenntnisinteresse andererseits verknüpfend, ein.

Die quantitative Software-gestützte Analyse ist strukturalistisch orientiert und stellt die relationale Struktur des Sozialraums dar, dabei abstellend auf Zentralitätsformen, Asymmetrieformen, Knoten, Kanten, Dichte, Subgruppen, Ties-Formen etc. Die qualitative Analyse beruht auf einem zu entwickelnden sog. »morphologischen Kasten« und ist eine auf die Sozialgebilde als Ausdrucksgestalt bezogene Hermeneutik der Form des Sinns und der Funktionalitäten, um das organisatorische Ethos als habitueller Programmcode zu rekonstruieren.

Teil des Designs ist ferner eine organisationsbiographische Analyse des SNL als Beitrag zur Bildung einer Theorie generativer Agenturen der Sozialraumbildung und in der Absicht der Befähigung des SNL in Methoden der Sozialforschung und der Sozialraumanalyse.

Diese Sozialraumanalyse wird in permanenter lernender systemischer Kommunikationsarbeit in die Landschaft der Sozialgebilde eingespeist und gemeinsam in verschiedenen Modi der Feed-Back-Arbeit und in verschiedenen Veranstaltungs-Modi einer Diskursarbeit weiterentwickelt. Es geht also im Lichte des »juridischen«, auf die soziale Inklusion abstellenden Werte-Raumes um die Integration einer lernenden Sozialraumentwicklungsanalyse mit einer deliberativen Kommunikationsarbeit.

Das »Soziales Netzwerk Lausitz« (SNL) übernimmt im Verbundvorhaben die Kommunikation, die Sichtbarmachung und die Rückspiegelung der Projektverlaufsergebnisse in das Feld. Das Herzstück ist ein kommunikativ-diskursives Konzept, das auf niedrigschwellige Veranstaltungsformate, gezielte Öffentlichkeitsarbeit und einen mehrdimensionalen Wissenstransfer setzt. Ziel ist es, Prozesse und Ergebnisse des Verbundpartners Universität zu Köln anschlussfähig zu machen – für Fachöffentlichkeit, Verwaltung, Zivilgesellschaft und Politik.

Das Kommunikationskonzept des Teilprojekts des SNL geht über klassische Öffentlichkeitsarbeit hinaus und umfasst zielgruppenspezifisch u. a. analoge und hybride Veranstaltungsformate in den genannten Handlungsfeldern. Die Veranstaltungsformate umfassen u. a.: Sozialraumdialoge als kleinformartige Austauschformate, Fachimpuls-Workshops mit ReferentInnen zu den thematischen Handlungsfeldern sowie Sozialraumkonferenzen als offene und multiperspektivische Foren zur Rückspiegelung und Weiterentwicklung der Ergebnisse.

Formaler Projektrahmen

Die Förderung erfolgt durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR). Der Projektträger ist das Forschungszentrum Jülich GmbH. Das Projekt ist Teil des Programms „Innovation & Strukturwandel“ in der Programmlinie „WIR! – Wandel durch Innovation in der Region“ und gehört zum Bündnis „com(m) 2020 – Kommunale Innovationen für die Gesundheitsversorgung in ländlichen Räumen“. 

Die Kooperationspartner*innen sind die Universität zu Köln (UzK) und das »Soziales Netzwerk Lausitz gGmbH« (SNL). Das Verbundvorhaben trägt den Titel „INSOLA - Integrierte Sozialraumbildung und nachhaltige Sozialraumentwicklung in der Lausitz“.

Die Verbundkoordination von INSOLA haben inne: Manuela Thomas, SNL (Leitung und strategische Feldarbeit) & Dr. Philipp Thimm, SNL (konzeptionelle und reflexive Arbeiten zu Prozessen und Ergebnissen; kommunikative Anbindung zur UzK). 

Das Teilvorhaben der UzK lautet „Sozialraumbildung für ländliche Regionen: Identifikation, Entwicklung, Umsetzung, Monitoring und Transfer von Sozialraumkonzepten“ (FKZ: 03WIR6511B). Die Projektleitung der UzK ist Univ.-Prof. (em.) Dr. Frank Schulz-Nieswandt, UzK. Das Projektteam der UzK besteht aus Julia Beideck, M.Sc., Dr. Johannes Blome-Drees, Dr. Simon Micken & Dr. Joschka Moldenhauer. Die Laufzeit ist: 01.08.2025 bis 31.07.2028. 

Das Fördervolumen der UzK beträgt 674.995,52 €. Das Fördervolumen des SNL beträgt 128.860 €. 

Ansprechpartner an der UzK ist Dr. Joschka Moldenhauer (jmoldenhSpamProtectionuni-koeln.de).